Wir gehen oft härter mit uns ins Gericht als mit jedem anderen Menschen. Ein Fehler im Job, ein unbedachtes Wort, eine Entscheidung, die wir heute anders treffen würden, und schon meldet sich eine innere Stimme, die uns klein und unzulänglich macht. Einem Freund würden wir solche Worte nie sagen. Uns selbst aber halten wir sie wieder und wieder vor.
Selbstmitgefühl ist keine Ausrede
Viele befürchten, freundlich zu sich zu sein bedeute, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Das Gegenteil ist der Fall. Wer sich in einem Klima ständiger Selbstkritik bewegt, wird ängstlich und blockiert, nicht besser. Selbstmitgefühl heißt, einen Fehler klar anzuerkennen und trotzdem nicht den eigenen Wert infrage zu stellen. Erst aus diesem sicheren Boden heraus können wir wirklich aus etwas lernen.
Ein anderer Ton im Inneren
Es lohnt sich, den eigenen inneren Ton bewusst zu verändern. Wenn der nächste harte Gedanke auftaucht, hilft eine kurze Pause und eine ehrliche Frage.
- Würde ich so mit einem Menschen sprechen, den ich gernhabe?
- Was hätte dieser Mensch jetzt von mir gebraucht?
- Kann ich diesen Satz noch einmal sagen, etwas wärmer?
Verzeihen bedeutet nicht, das Geschehene gutzuheißen. Es bedeutet, aufzuhören, sich endlos dafür zu bestrafen. Wir erkennen an: Ich bin ein Mensch, ich war in diesem Moment nicht vollkommen, und das verbindet mich mit allen anderen, statt mich von ihnen zu trennen.
Sich selbst zu verzeihen ist selten ein einziger Moment. Es ist eher eine Haltung, die wir täglich neu einüben, ein wenig geduldiger und ein wenig milder als am Tag zuvor. Mit der Zeit wird aus dem strengen Richter ein verständnisvoller Begleiter.